„Zahnschutzkappen“ für Hunde, die im Schutzdienst arbeiten?

Sehr geehrte Patientenbesitzer,

regelmäßig erhalte ich Anfragen von Patientenbesitzern, ob ich Zahnschutzkappen für die Fangzähne anfertige. Gemeint ist, die intakten Fangzähne mit Metallkappen zu versehen, um beim Schutzdienst den gefürchteten Fangzahnfrakturen vorzubeugen.

Im Internet sind Erfolgsberichte und viele Fotos von Hunden zu finden, denen überwiegend ohne Narkose solche Zahnschutzkappen angepasst und aufgeklebt wurden. Zum Teil werden diese Kappen sogar auf frisch frakturierte Zähne geklebt, ohne dass vorher eine tierzahnärztliche Untersuchung und Behandlung des Zahnes vorgenommen wurde. Auf manchen Bilderfolgen sieht man offen frakturierte Fangzähne, bei denen sich die Pulpa schwarz abzeichnet- eindeutiges Zeichen für einen infizierten und abgestorbenen Zahnnerv und allerhöchste Zeit für fachkundige Behandlung. Nächstes Bild: glänzende „Zahnschutzkappe“, Abdrucknahme und Befestigen in nur einer Sitzung und ohne Narkose.

Besonders in solchen Fällen dreht sich mir als Tierzahnarzt auf gut Deutsch der Magen um. Auch wenn dieser Zustand teilweise sogar als „tierärztlich vorbehandelt“ bezeichnet wird- ein schwarz verfärbter Nerv in einem Zahn mit freiliegender Wurzelhöhle kann niemals fachlich korrekt tierärztlich vorbehandelt sein, allenfalls von der falschen Person besichtigt und fachlich falsch eingeschätzt. Hier werden dringend behandlungsbedürftige Zustände mit Metallkappen zugeklebt- das ist übelster Pfusch und extrem tierschutzwidrig! Unter der „Zahnschutzkappe“ gammelt der Zahn munter weiter vor sich hin und löst im Kieferknochen eine schmerzhafte Entzündung aus. Wir alle wissen, wie furchtbar Zahnschmerzen sind.

Der Hund beisst damit aber prima, also ist alles gut? Nach meiner Erfahrung liefern Schutzhunde auch mit sehr, sehr weit fortgeschrittenen schmerzhaften Zahnerkrankungen guten Schutzdienst ab- aber jedes Mal, wenn sie zugreifen, verspüren sie Schmerz. Das kann leider wirklich jahrelang so weitergehen, bis irgendwann der Kiefer vereitert und die Backe dick wird. Erst dann wird ein monate- bis jahrelanger Leidensweg auch von außen sichtbar.

Bei Zahnbehandlung und Überkronung gilt: Sie bekommen genau das, was Sie bezahlen. Erhalten Sie ein konkurrenzlos günstiges Angebot, müssen Sie davon ausgehen, dass wichtige Bestandteile einer fachlich korrekten Untersuchung und Behandlung im wahrsten Sinne des Wortes bei Ihrem Tier eingespart wurden. Qualität hat nunmal ihren Preis.

Zahnfrakturen und Zahnerhalt gehören in die Hand von hierfür ausgebildeten Fachleuten. Sie selbst gehen dafür ja auch nicht zum Hausarzt oder direkt zum Zahntechniker, sondern zuerst zum Zahnarzt, oder? Nur zusammen sind wir stark- Haustierarzt, Tierzahnarzt und Zahntechniker, und jeder auf seinem Gebiet!

 

Ich fertige Zahnschutzkappen auf völlig intakten Zähnen aus mehreren Gründen nicht an.

In mittlerweile mehr als 14 Jahren als Tierarzt mit sehr goßem Kundenstamm aus dem Schutzhundebereich habe ich deutlich mehr intensiv arbeitende Schutzhunde gesehen und tierärztlich behandelt, die sich in ihrer Laufbahn die Fangzähne nicht abgebrochen haben, als Schutzhunde, die Fangzahnfrakturen erlitten haben.

„Normale“ Fangzahnfrakturen beim Schutzhund sind Unglücksfälle. In der Regel brechen die Zähne so ab, dass sie erhalten werden können. Auch beim intensiv arbeitenden und triebstarken Schutzhund lassen sich die Zähne in der Mehrzahl der Fälle mittels Füllungstherapie und ggf. erforderlicher Überkronung sehr gut und anhaltend behandeln, ohne dass eine Beeinträchtigung im Schutzdienst daraus resultiert.

Was sich in letzter Zeit unter Tierzahnärzten jedoch häuft, sind Berichte über Fangzahnfrakturen unter Zahnschutzkappen. Die Fangzähne brechen hierbei in der Regel am Saum der Schutzkappe, sprich mindestens auf Höhe des Zahnfleisches ab. Die Zähne sind häufig so ungünstig gesplittert und abgebrochen, dass als vernünftige Entscheidung nur noch die Zahnextraktion bleibt. Für den Schutzdienst ist das der Super-GAU.

Ich plädiere dafür, Hunde altersgemäß und mit gut ausgebildeten Helfern und Figuranten im Schutzdienst zu arbeiten. Das verringert die Gefahr einer Fangzahnfraktur immens. Und wenn es bei aller Umsicht doch passiert, helfe ich Ihnen und Ihrem Hund sehr gern fachlich fundiert weiter. Bei echtem, fachlich fundierten Bedarf auch mit einer schönen Schutzdienstkrone.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel meiner geschätzten Kollegen Gaby Ehrismann und Daniel Koch:

https://dkoch.ch/xp_wysiwyg_media/Downloads_Zahne/Kritische%20Anmerkungen%20zum%20Eckzahnschutz%20mit%20Metallkappen%203.pdf